Der 2008 in Moskau erschienene Sammelband Legale Drogenaggression in Russland: Chronik eines unerklärten Krieges, zusammengestellt von Hieromönch Anatoli (Berestow) und N. W. Kakljugin, ist eine 400-seitige dokumentarisch-publizistische Sammlung zum nichtmedizinischen Gebrauch von Arzneimitteln und anderen formal legalen Quellen narkotischer Substanzen in Russland. Er vereint Materialien aus den Jahren 1998–2007: Stellungnahmen von Ärzten und gesellschaftlichen Akteuren, eine Resolution eines Runden Tisches, Schriftverkehr mit staatlichen Stellen und deren Antworten, Rechts- und Verordnungstexte, klinische Beiträge und Fallbeschreibungen, Presseveröffentlichungen sowie medizinische Fotodokumentationen.
Mit dem Begriff „legaler Drogenmarkt“ bezeichnen die Zusammensteller den Zugang über gewöhnliche Apotheken und den Einzelhandel zu Arzneimitteln mit Abhängigkeitspotenzial sowie zu Produkten, aus denen kontrollierte Substanzen illegal gewonnen werden konnten. Im Mittelpunkt stehen codeinhaltige Husten- und Schmerzmittel. Das Buch behandelt den Konsum weit oberhalb therapeutischer Dosen, die Entwicklung einer Abhängigkeit und die illegale Gewinnung von Desomorphin aus solchen Präparaten. Dieser Zusammenhang wird bereits in Materialien aus den Jahren 2006–2007 ausdrücklich benannt. Gefordert werden Rezeptpflicht, strenge Mengen- und Bestandskontrollen, Verkaufsüberwachung und die wirksame Durchsetzung der Abgaberegeln in Apotheken.
Der medizinische Teil enthält Beiträge über Codeinabhängigkeit, Tianeptin, Dextromethorphan und weitere psychoaktive Substanzen. Eine Studie beschreibt eine kleine klinische Gruppe von 23 Patienten, die 2003–2005 wegen einer Abhängigkeit von codeinhaltigen Arzneimitteln behandelt wurden. Weitere Kapitel dokumentieren Eingaben an Kontroll-, Gesundheits- und Strafverfolgungsbehörden sowie die damalige Medienberichterstattung.
Der Band ist als historische Quelle für frühe Warnungen und regulierungspolitische Forderungen zu lesen. Er beweist nicht unabhängig jede darin enthaltene quantitative, kausale, rechtliche oder beschuldigende Aussage. Bewertungen staatlicher Stellen, Unternehmen und einzelner Personen bleiben Aussagen der Zusammensteller, Redner oder nachgedruckten Autoren und müssen anhand amtlicher Primärquellen, gerichtlicher Entscheidungen und wissenschaftlicher Forschung überprüft werden.
